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Im April des Jahres 1883 erhält die Bakerstreet 221b Besuch von einer höchst aufgeregten Dame. Helen Stoner berichtet Sherlock Holmes vom Tode ihrer Schwester. Julia Stoner ist vor zwei Jahren, unmittelbar vor ihrer Hochzeit mit einem Marineoffizier, unter mysteriösen Umständen gestorben. Dazu muss man folgendes wissen: Die Damen Stoner sind die Töchter des vor einigen Jahren verstorbenen Generalmajor Stoner. Dieser hat seiner Gattin und den Kindern gut angelegtes Kapital in Wertpapieren hinterlassen. Mrs. Stoner, die Mutter der beiden jungen Damen, hat einige Zeit nach dem Tode ihres Gatten erneut geheiratet. Dr. Grimesby Roylott ist der letzte Spross einer einst wohlhabenden Familie, nämlich der Roylotts von Stoke Moran. Der Familienbesitz geriet jedoch im Laufe der Zeit mehrmals in leichtsinnige, ungeeignete Hände. Und so verblieb dem letzten Roylott lediglich ein wenig verwilderter Grundbesitz rings um das alte Herrenhaus Stoke Moran. Dort führte er bis zu seinem Tode das kärgliche Leben eines verarmten Edelmannes. Sein einziger Sohn, Miss Stoners Stiefvater also, lieh sich Geld, um damit sein Medizinstudium zu finanzieren. Er zog darauf nach Indien, wo er sich in Kalkutta niederließ und alsbald eine ansehnliche Praxis führte. Leider ist Dr. Grimesby Roylott ,vom menschlichen Standpunkt gesehen, kein sehr angenehmer Zeitgenosse. Mit keinem Menschen versucht er auch nur, ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen. Jeden vergrault er rasch mit seinem aufbrausenden Temperament und seinem Jähzorn. Außerdem neigt er zur Gewalttätigkeit. Das hat ihn bereits wiederholt in große Schwierigkeiten gebracht. So musste er Indien verlassen, als er in Kalkutta seinen Diener, welchen er fälschlicherweise des Diebstahls bezichtigte, im Streit brutal erschlug. Dafür kam er vor Gericht, wo er nur knapp der Todesstrafe entging. Nach seiner Haft wurde er aus Indien ausgewiesen, worauf er nach Großbritannien zurückkehrte. Hier bezog er mit seiner Familie den alten, herabgewirtschafteten Familiensitz. Zunächst freuten sich die Bewohner der Umgebung, wieder einen Roylott auf Stoke Moran einziehen zu sehen. Doch diese erste Freude verflog rasch, als die unangenehmen Eigenheiten des Doktors ans Tageslicht kamen. So hegt er, neben seinem Hang zu Streitlust und Gewalttätigkeit, auch eine große Vorliebe für allerlei exotische Tiere. Gegenwärtig hält er einen Pavian und einen Leoparden auf dem Gut. Diese beiden Tiere dürfen frei herumlaufen.Dies ist ein zusätzlicher Grund für die Angst der Leute vor Dr. Roylott. Außerdem unterhält er Bindungen zu einer Gruppe von Zigeunern, welche dort in der Gegend umherziehen.

Ihnen erlaubt er sogar, auf den wenigen noch zu Stoke Moran gehörenden Ländereien zu wohnen. Auch zieht er oft wochenlang mit ihnen durch die Lande. Anfängliche, halbherzig begonnene Versuche, sich eine neue Praxis im britischen Mutterland aufzubauen, sind samt und sonders gescheitert. Jeden weiteren menschlichen Kontakt lehnt er jedoch kategorisch ab. So hat er einmal den Dorfschmied im Streit von einer kleinen Brücke in den Fluß geworfen. Nur das glückliche Überleben des Mannes, gepaart mit dem Einsatz aller nur aufzubringenden Geldmittel durch die Stieftöchter bewahrte den Wüterich vor einer Anklage und dem Gefängnis. Miss Helen Stoner und ihre Schwester Julia lebten praktisch isoliert in den heruntergekommenen Herrenhaus. Sie dürfen lediglich ab und zu einen Besuch bei einer entfernten Tante, Mrs. Honoria Westphal, machen. Sämtliche Hausarbeiten auf dem Anwesen müssen mittlerweile von den beiden jungen Damen erledigt werden. Kein Dienstbote hielt es lange auf dem Anwesen aus. Zudem starb die Mutter vor einiger Zeit bei einem Eisenbahnunglück. Sie hatte ihren zweiten Gatten in ihrem Testament zu ihrem Nachlassverwalter bestimmt. Dies geschah unter der Auflage, dass er jeder der beiden Töchter im Falle ihrer Verehelichung eine Rente von jährlich 250,-- Pfund Sterling aus dem mütterlichen Erbe ausbezahlt. Dessen Kapitalien haben übrigens den im viktorianischen England beachtlichen Wert von 1.000,-- Pfund Sterling. Vor zwei Jahren nun lernte Miss Julia Stoner einen auf Halbsold gesetzten Marineoffizier kennen und lieben. Man sprach bereits von Hochzeit und einer gemeinsamen Zukunft. Doch kurz vor dem geplanten Trauungstermin wurde die Braut von schlimmen Vorahnungen geplagt. Miss Helen berichtet, ihre Schwester habe ihr in der Todesnacht die Frage gestellt, ob sie auch so ein merkwürdiges Pfeifen hören würde. Außerdem berichtete Miss Julia, dieses Pfeifen in den letzten Nächten wiederholt gehört zu haben. Sie wäre jedoch, wie sie sagte, nicht sicher, ob es aus dem Haus oder von den Zigeunern käme. Außerdem wäre jedes Mal, wenn das Pfeifen zu hören war, im Anschluss daran ein metallisches Geräusch, so als ob ein eiserner Riegel ins Schloss fallen würde, zu hören. Im Übrigen haben sich die Schwestern jede Nacht in ihren Zimmern eingeschlossen. Der Grund hiefür sind - wie bereits erwähnt - die exotischen, und beileibe nicht ungefährlichen Tiere, welche ihr Stiefvater hält. Kaum hatte sich Helen in ihr Zimmer zurückgezogen und zur Ruhe begeben, als sie plötzlich einen entsetzlichen Schrei aus dem Zimmer ihrer Schwester hörte. Sie eilte sofort auf den Gang und zu ihr.

Da stand Miss Julia Stoner, bleich wie ein Gespenst, mit einer brennenden Kerze in der Hand in der Tür. Sie brach schließlich in den Armen ihrer Schwester sterbend zusammen, wobei sie "Es war das Band. Das gesprenkelte Band", hervorstieß. Sofort holte Helen den Doktor zu Hilfe. Es wurde ebenso nach ärztlicher Hilfe aus dem Ort geschickt. Aber all dies kam zu spät. Es konnte nur noch der Tod der armen Miss Julia Stoner festgestellt werden. Außerdem war bis dato nicht zu klären, was die Sterbende mit dem "gesprenkelten Band" gemeint haben konnte. Es existiert lediglich die Vermutung, diese schon im Delierum getroffene Aussage könne sich auf die bunten Kopftücher beziehen, welche einige von den Zigeunern tragen. Holmes und Watson können sich lebhaft vorstellen, dass das Leben für ihre neue Klientin nun noch einsamer und freudloser wurde. Miss Stoner bestätigt dies. Aber es kommt noch schlimmer! Seit einiger Zeit ist sie selbst mit einem langjährigen Freund, Mr. Percy Armitage, verlobt. Man spricht von Heirat und einer gemeinsamen Zukunft mit Kindern. Dr. Grimesby Roylott erschien, wie schon bei Julias Verlobung, auf den ersten Blick hoch erfreut und hieß den jungen Mann in der Familie Willkommen. Bald darauf wurden Bauarbeiten zur Ausbesserung des alten, schadhaften Herrenhauses in Angriff genommen. Diese Arbeiten zwangen Miss Stoner, ihr angestammtes Zimmer zu räumen. So muss sie nun in jenem Zimmer nächtigen, in welchem ihre Schwester starb. Und seit diesem Zeitpunkt sind wieder das unheimliche Pfeifen, sowie das metallische Klappern zu hören. Jetzt fürchtet die junge Dame natürlich, sie könne dasselbe Schicksal wie ihre Schwester erleiden. Dies wäre alles, was sie zu dieser Angelegenheit aussagen könne, erklärt Helen Stoner. Der Meisterdetektiv ist sich da zunächst jedoch nicht so sicher. Und er erklärt auch gleich, warum: Er öffnet einen Ärmel der Bluse, welche die junge Dame trägt. Darunter zeichnen sich auf der Haut ganz deutlich die Abdrücke menschlicher Finger, ja einer ganzen Hand ab. Also wird sie von Dr. Roylott auch noch misshandelt! Die junge Klientin erklärt weinend, er wäre eben ein rauher Geselle, welcher um seine eigene Körperkraft oft selbst nicht Bescheid wüßte. Holmes kann sie jedoch beruhigen: Er übernimmt den Fall. Bald nach der Abreise ihrer neuen Klientin aus der Bakerstreet erhalten die Herren ein weiteres Mal Besuch. Diesmal ist es jedoch beileibe kein Höflichkeitsbesuch. Vielmehr poltert ein großgewachsener Mann in die Wohnung, welcher an seiner Gewaltbereitschaft und Jähzornigkeit von Beginn an keinen Zweifel aufkommen läßt.

Es ist Dr. Grimesby Roylott von Stoke Moran in Person. Er überschüttet die Herren Holmes und Watson mit Drohungen, während er in höchst ungehaltenem Ton wissen will, was seine Stieftochter hier wollte. Den Meisterdetektiv lassen derartige Tiraden jedoch kalt. So spricht er in ruhigem Tonfall weiter, was sein Gegenüber nur noch mehr in Rage bringt. Er überschüttet Holmes noch mit weiteren, an Bösartigkeit nicht zu überbietenden Drohungen. Und zum Beweis seiner Entschlossenheit ergreift er den Schürhaken vom Kamin, welchen er mühelos mit der Kraft seiner Hände verbiegt. Sodann verschwindet er wieder. Der Meisterdetektiv, selbst auch nicht gerade schwächlich, biegt den Schürhaken wieder gerade, worauf die Herren sich reisefertig machen. Vor allem nehmen sie ihre Revolver nebst Munition mit. Das sollte genug Abwehr gegen metallverbiegende Grobiane gewährleisten! So fahren die Herren also mit dem nächst möglichen Zug nach Stoke Moran. Unterwegs berichtet Holmes, welcher die gemeinsame Wohnung in der Bakerstreet während der Reisevorbereitungen zum Zwecke von Erkundigungen verlassen hatte, von den Ergebnissen dieser Bemühungen: Er hat sich am Nachlassgericht das Testament der Erblasserin zeigen lassen. Dort ist die beiden Töchtern im Falle ihrer Verheiratung ausgesetzte Rente, wie ihre Klienting gesagt hat, tatsächlich vermerkt. Allerdings beträgt der Wert der Erbschaft aufgrund ungünstiger Kursentwicklungen bei den betreffenden Wertpapieren während der letzten Jahre inzwischen deutlich weniger als 1.000,-- Pfund Sterling. Wenn nun nur eine der beiden Schwestern heiraten würde, käme Dr. Roylott bereits in gewisse finanzielle Schwierigkeiten. Diese würden natürlich bei der Verheiratung BEIDER TÖCHTER noch weitaus verschärft auftreten. Aber mittlerweile sind sie am Ziel ihrer Reise angekommen. Dort werden sie von ihrer Klientin bereits erwartet. Diese ist begreiflicherweise entsetzt, als sie erfährt, dass der Doktor ihr nach London gefolgt ist. Aber der Meisterdetektiv kann sie beruhigen: Jetzt wären sie ja vor Ort und wenn der Wüterich gewalttätig werden sollte, so wissen sie schon mit ihm umzugehen. Nun aber heißt es rasch mit den Nachforschungen beginnen: Der Schauplatz der Tragödie ist eine aus drei nebeneinanderliegenden Räumen bestehende Zimmerflucht im Erdgeschoss des Hauses. Von links nach rechts gesehen bewohnt Dr. Roylott das erste Zimmer. Das zweite ist jenes Zimmer, in welchem Miss Julia starb, und wo zurzeit Miss Helen wohnt. Und das dritte, von Bauarbeiten doch etwas gezeichnete Zimmer ist Miss Helens eigentlicher Bereich.

Holmes untersucht alle drei Zimmer gründlich. Er kriecht auf dem Boden umher, prüft die Betten, die eisernen Fensterläden, die übrigen Möbel und einen in des Doktors Gemach stehenden, verschlossenen Tresor. Dabei fallen ihm einige Merkwürdigkeiten auf. Deshalb bittet er seine Klientin und seinen Freund nach draußen. Dort erfährt die junge Dame, dass sie sich offensichtlich in höchster Lebensgefahr befindet. Soll sie diese Nacht lebend überstehen, ist es ungeheuer wichtig, dass sie den Anweisungen des Detektivs genauestens folgt: 1.) In Sichtweite des Herrenhauses gibt es ein Gasthaus, das "Crown Inn". Dort werden sich die beiden Herren in einem Zimmer mit Blick auf die Fenster des Tatorts einquartieren. 2.) Sobald ihr Stiefvater nach Hause kommt, soll Miss Helen Kopfschmerzen oder Migräne als Vorwand nehmen, sich zeitig in ihr derzeitiges Zimmer zurückzuziehen. 3.) Dort angekommen, soll sie das Schließen der Tür des Schlafzimmers des Doktors abwarten. 4.) Sodann soll sie eine Laterne als Signal für die beiden Herren ins Fenster stellen und sich in ihr eigentliches Gemach zurückziehen. Sie müsste sich dort eigentlich für eine Nacht einrichten können. Die junge Dame bejaht dies. Aber sie hätte doch gerne gewußt, was dann geschehen sollte. Holmes erklärt er, dass sie dies ruhig ihm und Dr. Watson überlassen kann. Gesagt, getan! Die beiden Herren fahren ins Crown Inn, wo sie ein Zimmer mit Blick auf das Herrenhaus beziehen. Nach dem Abendessen gehen sie am Fenster auf Posten. Der erfahrene Detektiv erläutert dabei seinem Freund und Kollegen die Ergebnisse seiner Erkundungen vom Nachmittag: 1.) Das Bett im Sterbezimmer ist am Boden festgenagelt! Das ist an Land, vor allem in einem Haus, vollkommen unüblich! Diese Vorgehensweise gibt es lediglich auf Schiffen zum Schutz von Passagieren und Besatzung vor Seegang. 2.) Ein Ventilationsschacht wurde in die Wand zwischen Dr. Roylotts Gemach und dem Sterbezimmer eingebaut. Er führt also NICHT NACH DRAUSSEN AN DIE FRISCHE LUFT, wie es logischerweise eigentlich sein sollte, sondern er verbindet die beiden Räume. Das Bett im Sterbezimmer steht im Übrigen Wand an Wand mit dem Schlafzimmer des Arztes. 3.) Neben dem Luftschacht führt ein breiter Klingelzug für eine Dienstbotenglocke auf das Bett. Aber dieser Klingelzug hat, wie Holmes selbst erprobte, keinerlei praktische Funktion. Außerdem hat Miss Stoner erklärt, sie und ihre Schwester hätten sich alles, was sie brauchten, stets selbst geholt. Wie gesagt: Kein Dienstbote blieb dank des Wüterichs Launen lange auf dem Anwesen.

4.) Auf einem Stuhl an der Wand im Schlafzimmer des Doktors sind Schuhabdrücke zu finden. Roylott hat also darauf gestanden, um auf diese Weise den Luftschacht zu erreichen. 5.) Neben dem Tresor steht eine kleine Schale mit Milch. Außerdem fand sich im Zimmer eine Hundepeitsche, deren Ende zu einer kleinen Schlinge verknotet ist. Damit steht für Holmes zweifelsfrei fest, dass es noch ein drittes Tier im Hause geben muss. Denn die kleine Schlinge an der Peitsche kann wohl kaum für den Leoparden, oder den Affen gedacht gewesen sein. Dieses ihnen momentan noch unbekannte Tier wird damit jedoch im Zimmer offenbar unter Kontrolle gehalten, wenn es sich nicht in seinem Behältnis befindet. Auch wären die beiden Großtiere wohl kaum mit einer kleinen Schale Milch als Nahrung zufrieden. Und zudem hätte keine der beiden Kreaturen durch den Luftschacht gepasst. Dr. Watson versteht schließlich, was sein Freund sagen will. Und er ist entsetzt! Dr. Grimesby Roylott ist ein Verbrecher und Mörder! Der Tod der armen Miss Julia Stoner war kein Unfall! Es war ein heimtückisch geplanter und ausgeführter Mordanschlag! Und nur durch den Mut von Miss Helen Stoner wird es ihnen heute Nacht hoffentlich möglich sein, einen zweiten Anschlag dieser Art zu vereiteln! Holmes bejaht! Und er erklärt noch, dass man in dieser Angelegenheit größte Vorsicht walten lassen müsse! Denn er hat es bereits mit einigen Ärzten, welche zu Verbrechern wurden, zu tun bekommen. Aber dieser hier übertrifft seine Vorgänger noch an Bösartigkeit und Hinterlist bei weitem! Deshalb ist sich Holmes gar nicht mehr so sicher, ob er Watson dieses Mal mitnehmen und ihn der Gefahr aussetzen soll. Dem widerspricht der ehemalige Armeearzt jedoch vehement! Er wäre schließlich sein Freund und habe so manch gefährliches Abenteuer mit ihm gemeinsam bestanden. Da werde er ihn doch jetzt nicht alleine gehen lassen! Nun gut! Damit ist die Sache geklärt: Außerdem wird jetzt das Licht der Laterne sichtbar, während alle anderen Lichter im Hause erlöschen. Sofort machen sich die Herren auf dem Weg. Nachdem ihnen einmal kurz der Pavian über den Weg läuft, erreichen sie ohne Zwischenfälle das Zimmer, in welchem Miss Julia starb. Sie löschen das Licht und beziehen Stellung. Dabei schärft Holmes Watson nochmals eindringlich ein, ja nicht einzuschlafen! Es könnte ihn das Leben kosten! So waren die beiden Herren schließlich, Kerzen, Streichhölzer und ihre Waffen neben sich griffbereit liegend, in der Dunkelheit. Da ist plötzlich das unheimliche Pfeifen, von welchem ihre Klientin gesprochen hat, zu hören.

Wenig später blitzt - durch den Lüftungsschacht, sowie am Geruch von verbrennendem Lampenöl gut zu erkennen, das Licht einer Blendlaterne im Nebenraum auf. Plötzlich reagiert Sherlock Holmes! Er zündet rasch eine Kerze an, worauf er mit einem Stock auf den breiten Klingelzug einzuschlagen beginnt. Dabei ruft er immer wieder: "SIEHST DU DAS, WATSON? DAS IST DAS BAND! DAS GESPRENKELTE BAND!" Aber der ist zunächst zu geblendet, um überhaupt etwas sehen zu können. Als sich seine Augen wieder an die Helligkeit gewöhnt haben, sieht auch Watson, dass sich ein länglicher Körper unter den Stockschlägen seines Begleiters den breiten Stoff des Klingelzuges hinaufschlängelt. Gleich darauf verschwindet das Wesen im Lüftungsgitter! Sekunden später ist ein entsetzlicher Schrei zu aus des Doktors Zimmer zu hören. Drt. Watson ist entsetzt! Er starrt Holmes mit großen Augen an und fragt ihn, was dies um Himmelswillen zu bedeuten hätte. Der Meisterdetektiv bleibt wie gewohnt ruhig. Und er erklärt seinem Freund, dass nunmehr aller Schrecken vorüber ist. Und vielleicht ist es auch besser so! Aber nun wird es Zeit, am Ort des Geschehens nachzusehen. So verlassen die Herren das Sterbezimmer, worauf sie, unter Mitnahme ihrer Revolver, des Doktors Gemächer betreten. Dort sitzt Dr. Grimesby Roylott von Stoke Moran an einem Tisch. Er trägt sein Nachthemd und seine indischen Hauspantoffeln. Die Blendlaterne steht abgedeckt vor ihm auf dem Tisch. Der Doktor ist offensichtlich tot! Doch etwas an seinem Körper, konkret in seinen Haaren, bewegt sich noch! Und nun erkennen Holmes und Dr. Watson, der sich um ihre ebenfalls herbeigeeilte Klientin kümmert, was es mit dem gesprenkelten Band auf sich hat! Denn  der Doktor wurde zum Opfer seines eigenen Mordplanes! Es handelt sich um eine indische Sumpfnatter! Dies ist eine der gefährlichsten und giftigsten Schlangen der Welt! Dr. Roylott starb durch ihren Biss innerhalb von Sekunden! Holmes weiß jedoch sofort, was jetzt zu tun ist! Er ergreift die Hundepeitsche mit der Schlinge, welche auf des Toten Schoß ruht. Die Schlinge zieht er der Schlange über den Kopf, sodass er sie gefahrlos in seine Gewalt bringen kann! Er zieht das Tier aus den Haaren des Toten und legt es in den nunmehr offenstehenden Tresor. Sodann verriegelt er eilends die schwere Tür. Anschließend veranlassen die beiden Herren die sofortige Abreise von Miss Helen Stoner zu ihrer Tante Mrs. Westphal, sowie die Alarmierung der örtlichen Polizei. Schließlich muss das in der Nacht Geschehene zur Anzeige gebracht werden.

Außerdem muss die gefährliche Menagerie des Doktors in behördliche Verwahrung überstellt werden. Während die Herren ihre junge Klientin schließlich zu ihrer Tante bringen, erklärt Holmes, wie er dem Rätsel letztendlich auf die Spur kam: Dabei half ihm, wie bereits erwähnt, das Testament der Mutter von Miss Helen und Miss Julia. Dr. Roylott hat sein Leben ab der Ernennung zum Nachlassverwalter seiner verstorbenen Gattin aus deren Erbe bestritten. Diese Kapitalien haben sich jedoch - auch das hat der Meisterdetektiv bereits erwähnt, im Laufe der Jahre in ihrem Wert verringert. Wenn nun beide Töchter geheiratet und die ihnen zustehende Rente eingefordert hätten, wäre es für den Wüterich rasch mit der finanziellen Herrlichkeit vorbei gewesen. Deshalb konnte er gar kein Interesse daran haben, dass es überhaupt zu Eheschließungen käme. Auch die Freude bei Miss Helen, welche ihren Verlobten Percy Armitage vorstellte, war nichts als Schmierentheater. Längst war auch ihr Tod durch die Sumpfnatter beschlossen! Dieses geldgierige Monster wußte ob seines Berufes als Arzt genau, wie tödlich das Gift dieser Schlange ist! Aber er wußte ebenso, dass es schon eines unglaublich großen Zufalls bedurft hätte, die beiden winzigen roten Punkte am Hals der Toten, wenn sie denn überhaupt gefunden worden wären - als Bißmarken von Fangzähnen einer Schlange zu identifizieren. Und so wurde der Tod der armen Miss Julia durch die Hehörden als aus unbekannter Ursache eingetreten klassifiziert. In Wahrheit hatte der Doktor jedoch - neben seinem Pavian und dem Leoparden - noch einen tierischen Hausgenossen. Und zwar eben jene Sumpfnatter. Diese hat er sich offenbar eigens für seinen teuflischen Plan aus Indien schicken lassen. Und in seinem Hause hat er sie im Tresor in seinem Arbeitszimmer gehalten. Die kleine Schale mit Milch diente wohl der Ernährung und der Abrichtung der Schlange, sodass sie schließlich auf das Pfeifen hin entweder durch den Luftschacht ins Sterbezimmer, oder zu ihrem Herrn und Meister zurückgekrochen kam. Daher war der funktionslose Klingelzug über dem Bett angebracht. Er sollte dem Mordgetier den Weg zu seinem unglücklichen, ahnungslosen Opfer ebnen. Aus diesem Grund war auch das Bett am Boden festgenagelt! Damit sollte verhindert werden, dass es von der Wand und vom Klingelzug fortgerückt werden konnte. Denn auf diese Weise hätte man die tödliche Falle, welche der Kerl seinen Stieftöchtern zugedacht hatte, leicht außer Funktion setzen können. Das wollte er natürlich unbedingt verhindern.

Der Mörder konnte jedoch nicht damit rechnen, dass Sherlock Holmes von dieser grausigen Planung inzwischen erfahren hatte. Ihm war es genungen, dem Untier seinerseits eine Falle zu stellen. Mit seinen Stockhieben traf er den empflindlichen Schlangenleib einige Male ziemlich heftig, sodass er dem Tier große Schmerzen bereitete. Derart gereizt flüchtete es den Weg, welchen es bestens kannte, zurück - und stürzte sich auf das erstbeste Opfer, welches sich ihm bot. Und das war sein verbrecherischer Herr und Meister! Damit hat also das Verbrechen auf seinen Organisator und Verursacher mit voller Wucht zurückgeschlagen! Auch wenn Holmes eine gewisse Mitschuld am gewaltsamen Ende von Dr. Grimesby Roylott trägt: Sein Gewissen ist dadurch, wie er versichert, um kein Gramm schwerer geworden! Der Fall ist jedenfalls abgeschlossen! Und Miss Helen Stoner erhält nunmehr das gesamte restliche Erbe ihrer verstorbenen Eltern. Aber noch viel wichtiger ist: Sie wird in Bälde Mrs. Armitage werden. Die zärtliche Liebe und Fürsorge ihres Gatten werden ihr sicherlich helfen, den Schrecken über die grausamen Erlebnisse der Vergangenheit mit der Zeit zu überwinden.

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