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Monsieur Tabaret ist eine von Émile Gaboriau geschaffene literarische Figur, die erstmals 1863 in Erscheinung trat. Er ist nach C. Auguste Dupin der erste Privatmann, der sich der Lösung von Kriminalfällen verschrieben hat und somit maßgeblich als Vorlage für Arthur Conan Doyles Meisterdetektiv Sherlock Holmes diente.

Tabarets Charakter Bearbeiten

Tabaret war Beamter des Pfandleihamtes, als er 25jährig seinen bankrotten Vater zu sich nimmt und sich um diesen bis zu dessen Lebensende kümmert. Als liebender Sohn nimmt er alle Entbehrungen – keine Freunde, die Beziehung zu einer jungen Frau namens Hortense muss er beenden – auf sich, geht zusätzlich abends arbeiten, um die Einkünfte für zwei zu verdienen. Sein Vater dankt ihm dies mit ständigen Nörgeleien und immer neuen Forderungen. Als der Vater nach zwanzig Jahren verstirbt stellt sich heraus, dass er ein wohlhabender Mann war, dass ihm sogar das Mietshaus gehörte, in dem die beiden lebten. Im Testament erklärt der Vater, er habe mit seinem Handeln den Sohn an Ordnung und Sparsamkeit gewöhnen und ihn von Dummheiten abhalten wollen.

Anstatt sich dem Müßiggang hinzugeben beginnt der inzwischen 45jährige, Schriften und Bücher zu sammeln, die mittelbar und unmittelbar mit der Kriminalistik zu tun haben. Und nach und nach versucht er sich selbst in diesem Metier, ohne dafür entlohnt zu werden. Er gewinnt bald die Anerkennung einiger Ermittler, die ihm den Namen Tirauclair geben, da er immer alles klarstellen will. Einer der Verehrer von Taberets Fähigkeiten ist der Polizeiassistent Monsieur Lecoq, der ihn zu den Ermittlungen im Mordfall Lerouge hinzuzieht.

Tabarets Aussehen wird folgendermaßen beschrieben:

Die sechzig Jahre, die er wohl zählte, schien er nicht allzu leicht zu tragen. Klein, mager und etwas gebeugt, stützte er sich auf einen dicken Stock mit elfenbeingeschnitztem Knauf. Sein rundes, mit peinlichster Sorgfalt rasiertes Gesicht hatte jenen Ausdruck permanenten, mit Besorgnis gemischten Staunens … er besaß ein kurzes Kinn, fleischige Lippen, die Gutmütigkeit verrieten, und eine hässliche Stülpnase, die an den Schalltrichter eines Blasinstruments erinnerte. Seine blassgrauen, kleinen rotgeränderten Augen waren vollständig ausdruckslos, wirkten aber durch ihren unsteten Blick unerträglich ermüdend. Schütteres glattes Haar beschattete seine fliehende Stirn und vermochte die übergroßen Ohren nur spärlich zu verdecken. Er war äußerst sorgfältig gekleidet, …mit blütenweiße Wäsche, Seidenhandschuhe und Gamaschen. Eine massive Goldkette von bedauerlich schlechtem Geschmack schlang sich dreifach um seinen Hals, um sodann kaskadenartig in Richtung Westentasche zu münden.

Tabarets Einfluss auf Holmes Bearbeiten

Wenn auch äußerlich und vom persönlichen Hintergrund ganz anderes charakterisiert, kann man deutliche Parallelen zwischen Tabaret und seinem berühmten Nachfolger Holmes erkennen:

Monsieur Tabaret Sherlock Holmes
Tabaret wird von einer älteren Haushälterin namens Manette versorgt Holmes wird von der immer treuergebenen Mrs. Hudson versorgt
Tabarets Gewohnheiten und Gäste:
Er kam oder kam nicht zu den Mahlzeiten nach Hause, er aß irgendwann und irgendwo irgend etwas. Er verließ das Haus zu allen erdenklichen Tages-und Nachtzeiten, schlief auch häufig auswärts und verschwand manchmal wochenlang. Er empfing auch sonderbare Besucher. An seiner Tür läuteten zuweilen recht verdächtige Gestalten mit üblen Physiognomien.
Dr. Watson beschreibt in Eine Studie in Scharlachrot die seltsamen Leute unterschiedlichster Gesellschaftsschichten, die bei seinem neuen Mitbewohner ein- und ausgehen, ohne dass jemand weiß, aus welchem Grunde sie Holmes aufsuchen. Immer wieder wird auf Holmes' unsteten Lebensrhythmus eingegangen, wenn er einen Fall bearbeitet.
Tabaret über das Verbrechen:
Die schönen Verbrechen werden immer seltener. Die starke Rasse der Missetäter ohne Furcht und Tadel hat einem Schwarm gewöhnlicher kleiner Gauner Platz gemacht. Die paar Lumpen, die in großen Abständen von sich reden machen, sind dumm und feig dazu. Sie signieren gleichsam ihr Werk und hinterlassen auch noch ihre Visitenkarte. Sie zu erwischen, ist wahrlich kein Verdienst.
Mehrfach lässt sich Holmes über die wenigen Herausforderungen aus, die ihm die Verbrechen in London stellen. So klagt er in Der Baumeister aus Norwood, dass London seit dem Ableben Professor Moriartys für ihn eine reizlose Stadt geworden sei.
Tabarets Ermittlungsmethoden:
Er verweilte dort [im zweiten Zimmer] etwa eine halbe Stunde und kam dann herausgestürzt, ging abermals zurück, erschien aufs neue und entfernte sich alsbald wieder. Der Untersuchungsrichter konnte nicht umhin, in seinen Bewegungen die unruhige, regsame Entschlossenheit eines Spürhundes festzustellen... Im Hin- und Hergehen sprach er, heftig gestikulierend, laut vor sich hin, redete sich gut zu, belegte sich mit Schipfworten und stieß auch einmal ein leises Triumphgeschrei aus.
Mehrfach beschreibt Watson die für fremde Beaobachter seltsam anmutenden Untersuchungsmethoden eines Tatortes oder das auffällig in sich gekehrte Verhalten seines Freundes während einer Untersuchung.
Tabaret über die Wahrheit:
Man schreckt vor dem Unwahrscheinlichen zurück, und gerade das Unwahrscheinlichste kann die Wahrheit sein.
Holmes über die Wahrheit:
Wenn das Unmögliche ausgeschlossen wurde, muss in dem verbleibenden, so unwahrscheinlich es auch scheinen mag, die Wahrheit zu suchen sein.

Tabarets Detektivkarriere Bearbeiten

Über seine Taten und Fälle erfährt man nicht allzuviel. Lecoq erwähnt einen Fall, in dem Tabaret eine Bankiersfrau überführte, die sich selbst bestohlen hatte. Polizeichef Gévrol erwähnt abschätzig, dass ein Krimineller namens Derème aufgrund von Tabarets Ermittlungen beinahe geköpft worden wäre, obwohl er letztlich unschuldig war.

Am Ende der Affaire Lerouge beendet Tabaret enttäuscht seine Detektivtätigkeit. Einerseits ist es ihm erst fast zu spät gelungen, dem von ihm geförderten und hochgeschätzten Noel Gerdy des Mordes zu überführen, andererseits sieht er sich von Justizirrtümern umgeben und ist zu der Erkenntnis gelangt, dass auch Beweise, die man mit Händen greifen kann, nichts bedeuten. Er setzt sich für die Abschaffung der Todesstrafe ein und gründet einen Verein, der es sich zur Aufgabe macht, armen unschuldigen Angeklagten zu helfen.

Tabaret im Film Bearbeiten

In der deutschen Verfilmung Die Affäre Lerouge spielte René Deltgen die Rolle des Detektivs.

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